Früherkennung

 

PSA-Bestimmung 

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) kommt bei gesunden Männern vor, eignet sich aber auch als Tumormarker: Sein Blutspiegel kann Hinweise auf Prostatakrebs geben und zur Beurteilung von dessen Verlauf und Behandlung dienen.

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) wurde 1970 entdeckt und ist ein Protein (Eiweiß), das von den Prostatadrüsen gebildet wird. Es gelangt mit dem Prostatasekret in den Samen und verflüssigt ihn nach der Ejakulation. Diese biochemische Reaktion zu ermöglichen, ist die Aufgabe des PSA. Somit handelt es sich um ein normales Enzym des gesunden Mannes.

PSA im Blut

Wie andere von Drüsen gebildete Stoffe geht auch das PSA zu einem sehr geringen Teil in das Blut über. Dort ist es zum kleineren Teil frei im Blutserum gelöst, zum größeren Teil jedoch an Serumproteine gebunden (man sagt „komplexiert“, weil sich Komplexe bilden).
Die unterschiedlichen Serumkonzentrationen lassen sich einzeln messen: Das Gesamt-PSA (t-PSA),
das freie PSA (f-PSA) und das komplexierte PSA (c-PSA; Näheres zu allen dreien s.u.).

PSA als Organmarker und Tumormarker

Weil nur Prostatazellen PSA herstellen können, ist es Prostata-spezifisch (daher der Name) und markiert sein Herkunftsorgan; man bezeichnet es deshalb als Organmarker für die Prostata. Doch auch die bösartigen Zellen eines Prostatakarzinoms bilden PSA, im Falle von Metastasen selbst außerhalb der Prostata.
Karzinomzellen bilden erheblich (bis zu 10mal) mehr PSA als normale Prostatazellen. Deshalb eignet sich das PSA auch gut als Tumormarker: Zwar schließt ein niedriger Serumspiegel ein Prostatakarzinom nicht aus, jedoch steigt mit dem Spiegel das Risiko, dass ein solcher Tumor vorhanden ist.

Einflüsse auf den PSA-Serumspiegel

Die Höhe des PSA-Serumspiegels hängt von zahlreichen Faktoren ab: Zunächst ist es individuell verschieden, wie viel PSA aus der Prostata in das Blut gelangt. Dann beeinflusst die Menge an (gut- wie bösartigem) Prostatagewebe den Spiegel. So steigt er mit dem Prostatavolumen an, in der Regel also mit dem Alter wegen der zunehmenden Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie).

Auch andere Erkrankungen und Reizungen der Prostata können den PSA-Spiegel (vor allem das freie PSA) erhöhen, meist jedoch nur kurzzeitig: Zum Beispiel Prostataentzündung (Prostatitis), Verstopfung (wegen des Pressens), Sport (z.B. Radfahren, Reiten), Geschlechtsverkehr, Prostatamassage, digitale rektale Untersuchung (DRU, Abtasten der Prostata), akute Harnverhaltung (Ischurie), Harnblasenkatheter, Harnröhren-Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie), Darmspiegelung (Koloskopie) und Probeentnahme (Prostatabiopsie).

Gesenkt wird der PSA-Spiegel hingegen von 5-alpha-Reduktase-Hemmern (5ARI, Wirkstoffe in manchen Medikamenten gegen Haarausfall und gegen das benigne Prostatasyndrom, s. Medikamente zur BPS-Behandlung) sowie durch Entfernung oder Ausschaltung von Prostatagewebe: Zum Beispiel durch TUR-P beim benignen Prostatasyndrom (s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung) sowie durch eine radikale Prostatektomie, Strahlentherapie oder Hormontherapie bei Prostatakrebs (s.Behandlung des Prostatakarzinoms). Deshalb lässt sich auch beim Prostatakarzinom der Verlauf anhand des PSA-Spiegels beurteilen.

Auch Statine (Wirkstoffe zur Senkung der Blutfette) sollen den PSA-Spiegel senken, während Auszüge aus der Frucht der Sägepalme (Sabal serrulatum = Serenoa repens, s. Medikamente zur BPS-Behandlung) wohl keinen Einfluss haben.

Gesamt-PSA (t-PSA)

In den 1980er Jahren wurden erste Verfahren zur PSA-Messung entwickelt. Heute gibt es verschiedene Testsysteme zur quantitativen (mengenmäßigen) Bestimmung des Serumspiegels des Gesamt-PSA (t-PSA, von engl. total). Die Ergebnisse werden meistens in ng/ml angegeben (ng = Nanogramm = milliardstel Gramm, ml = Milliliter = tausendstel Liter). Diese sind jedoch nur dann direkt miteinander vergleichbar, wenn das gleiche Testsystem verwendet wurde, vor allem weil die Tests unterschiedlich kalibriert (geeicht) sind. Die untere Nachweisbarkeitsgrenze beträgt normalerweise 0,1ng/ml.

Um den Messwert des Gesamt-PSA richtig zu beurteilen, müssen Einflüsse auf den PSA-Spiegel (s.o.) bekannt oder ausgeschlossen sein. Ebenso ist zu bedenken, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom mit dem Wert steigt: Je niedriger er ist, desto unwahrscheinlicher liegt ein solcher Tumor vor, und je höher, desto wahrscheinlicher. Prostatakrebs ist also weder bei einem niedrigen Gesamt-PSA völlig ausgeschlossen, noch bei einem hohen Gesamt-PSA absolut sicher. Deshalb lässt sich auch kein Normalwert oder Maximalwert angeben, sondern nur ein Schwellenwert:

Schwellenwert zur Biopsie

Da das Risiko für Prostatakrebs mit dem Gesamt-PSA steigt, hat man sich auf Basis zahlreicher Studien auf einen Schwellenwert (cut-off-Wert) geeinigt, ab dem eine Probeentnahme (Prostatabiopsie) sinnvoll ist. Er beträgt 4ng/ml für Testsysteme, die nach dem so genannten Hybritech-Standard kalibriert (geeicht) sind. WHO-kalibrierte Systeme ergeben bei identischen Proben um etwa 20% niedrigere Werte. Deshalb werden dafür meist 3,2ng/ml angesetzt. Eine generelle Absenkung (z.B. auf 3ng/ml nach Hybritech) wird derzeit diskutiert.

Weil sich die Prostata mit dem Alter oft vergrößert (benigne Prostatahyperplasie) und der PSA-Serumspiegel damit steigt, wurden folgende altersabhängige Schwellenwerte für das Gesamt-PSA veröffentlicht:

  • 40-49 Jahre: 2,5ng/ml
  • 50-59 Jahre: 3,5ng/ml
  • 60-69 Jahre: 4,5ng/ml
  • 70-79 Jahre: 6,5ng/ml

Um die Vorteile oder gar Nachteile dieser oder anderer vorgeschlagener Schwellenwerte abschließend zu beurteilen, gibt es noch zu wenige Untersuchungen. Ziel ist, eine Biopsie möglichst zu vermeiden, ohne aber deshalb ein behandlungsbedürftiges Prostatakarzinom zu übersehen. Hierzu kann man das Gesamt-PSA auch auf die Prostatagröße (PSA-Dichte) beziehen, seine Anstiegsgeschwindigkeit und Verdoppelungszeit bestimmen sowie den darin enthaltenen Anteil an freiem bzw. gebundenem PSA messen (f-PSA und c-PSA). Näheres hierzu in den folgenden Abschnitten.

PSA-Dichte (PSA-D)

Im Vergleich zur gutartigen Prostatavergrößerung steigt bei Prostatakrebs wegen der stärkeren PSA-Bildung das Gesamt-PSA mehr an, die Prostata, vor allem die so genannte Übergangszone (s. Anatomie der Prostata) vergrößert sich jedoch weniger. Bildet man den Quotienten aus dem Gesamt-PSA und dem (mittels TRUSermittelten) Volumen der Prostata (bzw. der Übergangszone), erhält man die PSA-Dichte (PSA-D, von engl. density; Einheit ng/ml2, es ist also keine Dichte im physikalischen Sinn). Die PSA-Dichte ist demnach beim Prostatakarzinom höher als bei einer gutartigen Vergrößerung. Als Grenzwert für die Biopsie wurden 0,15ng/ml2 vorgeschlagen. Die Aussagekraft der PSA-Dichte ist jedoch noch nicht völlig geklärt.

PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-V)

Ein rascher Anstieg des Gesamt-PSA erhärtet den Verdacht auf ein Prostatakarzinom, selbst wenn weitere Anzeichen wie Auffälligkeiten bei der DRU (Tastuntersuchung) fehlen. Die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-V, von engl. velocity) wird meist anhand von drei Messungen (zwei Kontrollen) bestimmt, in jährlichem Abstand und mit dem gleichen Testsystem. Sie soll von Vorteil sein, wenn das Gesamt-PSA unter 4ng/ml liegt oder wenn bei einem höheren Wert eine Biopsie negativ ausfällt.

Ein verbreiteter Grenzwert für die Biopsie ist eine PSA-V ab jährlich 0,75ng/ml. Es gibt aber auch Vorschläge für niedrigere und höhere Werte (jährlich 0,35-1,25ng/ml). Je niedriger der Grenzwert, desto größer ist die Gefahr, dass er durch normale PSA-Schwankungen und nicht durch das Wachstum eines Tumors überschritten wird, vor allem bei einem kurzen Abstand zwischen erster und letzter PSA-Messung. Die PSA-V wird deshalb derzeit kaum zur Entscheidung über eine Biopsie verwendet, sondern vor allem zur Beurteilung des Verlaufs nach einer Behandlung von Prostatakrebs.

PSA-Verdoppelungszeit (PSA-DT)

Auch zur Bestimmung der PSA-Verdoppelungszeit (PSA-DT, von engl. doubling time) sind mehrere Messungen erforderlich. Diese gibt an, in wie vielen Jahren sich das Gesamt-PSA rechnerisch verdoppelt (ohne dass eine Verdoppelung stattgefunden haben muss). Eine kurze PSA-DT spricht also für Prostatakrebs. Unter anderem wegen normaler PSA-Schwankungen wird auch die PSA-DT weniger zur Biopsie-Entscheidung verwendet. Sie dient vor allem der Entscheidung, wann eine Überwachung bei Prostatakrebs beendet werden soll (s. aktive Überwachung) und zur Verlaufsbeurteilung nach Krebstherapie, zum Beispiel nach radikaler Prostatektomie und nach Strahlentherapie.

PSA-Quotient (f/t-PSA, %-f-PSA)

Aus bisher ungeklärten Gründen ist bei einem Prostatakarzinom weniger PSA frei im Blutserum gelöst (f-PSA) und mehr darin an Proteine gebunden (komplexiert, c-PSA) als normal, selbst bei nicht erhöhtem Gesamt-PSA (t-PSA). Der Anteil des freien PSA am Gesamt-PSA sinkt also. Das f-PSA lässt sich mit einem Test direkt messen, bleibt aber in der Blutprobe nicht lange stabil. Je niedriger der Quotient aus f-PSA und t-PSA (bzw. der prozentuale Anteil: %-f-PSA = f-PSA x 100 / t-PSA), desto eher liegt Prostatakrebs vor. Ein gängiger, aber noch nicht allgemein empfohlener Grenzwert für die Biopsie ist ein %-f-PSA von 15% (f/t-PSA 0,15). Bei einem Gesamt-PSA von mehr als 10ng/ml lässt sich der Quotient nicht verwerten.

c-PSA (komplexiertes PSA)

Zur direkten Bestimmung des im Blutserum an Proteine gebundenen (komplexierten) PSA (c-PSA) gibt es einen relativ neuen Test. Je nach Testansatz lässt sich damit entweder das Gesamt-PSA oder das c-PSA messen, das f-PSA kann aus Gesamt-PSA abzüglich c-PSA errechnet werden. Der Test umgeht so das Problem mit der Instabilität des f-PSA, berücksichtigt aber dennoch das beim Prostatakarzinom ansteigende c-PSA (s.o. unter PSA-Quotient). Als Grenzwert für die Biopsie wurde ein c-PSA von 3,2ng/ml vorgeschlagen.

PSA-Bestimmung zur Früherkennung von Prostatakrebs

Die PSA-Bestimmung im Rahmen des Screening (der Reihenuntersuchung) und der individuellen Früherkennungsuntersuchung auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms wird nicht nur unter Wissenschaftlern zum Teil heftig diskutiert. Es geht insbesondere um die Möglichkeit, dass bei einem erhöhten oder gar einem noch niedrigen, aber steigenden Wert quasi automatisch weitere Untersuchungen veranlasst werden: Digitale rektale Untersuchung (DRU), transrektaler Ultraschall (TRUS) und vor allem eine Probeentnahme (Prostatabiopsie). Dabei würden dann auch Tumoren, die nicht zum Tode der Betroffenen geführt hätten (sog. insignifikante = nicht behandlungsbedürftige Tumoren), entdeckt („Überdiagnose“ = unnötige Diagnose) und behandelt („Übertherapie“ = unnötige Therapie).

Grund für die Diskussion sind zahlreiche, schwierig zu interpretierende Studienergebnisse, zum Beispiel darüber, wie man behandlungsbedürftige Tumoren von nicht behandlungsbedürftigen unterscheiden kann. Und es kommen ständig neue Ergebnisse hinzu. Deshalb wird vor der PSA-Bestimmung eine umfassende Aufklärung durch den Arzt empfohlen. An dieser Stelle sei auf weiterführende Informationen verwiesen (s.u.).

Zur Früherkennung von Prostatakrebs sollen nur quantitative (mengenmäßige) PSA-Tests verwendet werden. Zur Interpretation der Messwerte sollen bekannt sein: der Name des Tests, der Hersteller, die Art der Kalibrierung (z.B. Hybritech, WHO) und der an einer ausreichend großen Zahl von Männern in entsprechendem Alter ermittelte Referenzbereich („Normalbereich“). Ein erhöhter PSA-Wert, der zu einer Biopsie führen würde und nicht wegen vorheriger Messungen plausibel erscheint, soll zunächst unter Berücksichtigung von Störfaktoren kontrolliert werden (s.o. unter Einflüsse auf den PSA-Serumspiegel).

PSA-Schnelltests

Solche Teststreifen bestimmen das Gesamt-PSA im Blut semiquantitativ (halb mengenmäßig): Sie zeigen eine farbige Linie, wenn es über 4ng/ml liegt. Vorteil ist die einfache Anwendung, jedoch überwiegen die Nachteile: Weil kein Messwert erzeugt wird, lassen sich weder die Dringlichkeit einer Kontrolle beurteilen, noch Werte wie die Dichte, Anstiegsgeschwindigkeit oder Verdoppelungszeit des PSA (s.o.) berechnen. Zudem sind die Tests nicht zuverlässig genug, sie liefern zu oft falsche Ergebnisse: Ein falsch-negatives (Test negativ trotz Krebs) kann die Diagnose verzögern, und bei einem falsch-positiven (Test positiv, obwohl kein Krebs vorliegt) muss wie auch bei einem richtig-positiven (Test bei Krebs positiv) das Gesamt-PSA ohnehin nachgemessen werden. PSA-Teststreifen eignen sich nicht zur Früherkennungsuntersuchung und sollen deshalb nicht eingesetzt werden.

 

PSA-Bestimmung bei Erkrankung an Prostatakrebs

Liegt ein Prostatakarzinom vor, trägt die PSA-Bestimmung zur Planung von Zusatzuntersuchungen und Behandlungsmethoden bei, außerdem dient sie zur Verlaufskontrolle (Näheres hierzu im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Untersuchung, Behandlungsplanung und Nachsorge).

 

PSA-Test wegen fehlerhafter Studie in Verruf geraten

Der PSA-Test war lange Zeit in Verruf geraten - zu Unrecht. Denn sein fragwürdiges Image beruht auf einer fehlerhaften Auswertung von Daten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

 Eine US-Studie von 2009 riet von PSA-Tests im Rahmen der Krebsfrüherkennung ab

  • Eine neue Studie zeigt: Bei der Auswertung der Daten wurden damals Fehler gemacht
  • PSA-Tests hätten vielen Männern, die später an heilbarem Prostatakrebs erkrankt sind, das Leben retten können
  • Experten fordern daher eine Neubewertung des Bluttests

In den vergangenen Jahren ist der PSA-Test in die Kritik geraten: Überdiagnosen, geschürte Ängste und klingelnde Kassen - daran denken viele Männer, wenn ihr Urologe diese Früherkennungsmethode empfiehlt. Schuld daran ist vor allem eine Studie, die  vor sieben Jahren in den USA durchgeführt wurde. Sie riet von dem Bluttest ab. Doch jetzt zeigt sich: Die Untersuchung enthielt gravierende Fehler. Viele Männer, die den Empfehlungen folgten, hätten durch eine frühzeitige Krebsdiagnose mittels eines PSA-Tests gerettet werden können. Der Fachwelt jedoch schien das Vorgehen der damaligen Studie plausibel: Über 76.000 Männer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen hatten regelmäßig einen PSA-Test durchführen lassen, die anderen in der Kontrollgruppe angeblich nicht. Nach sieben Jahren verglich man die Sterbequote der an Prostatakrebs erkrankten Männer miteinander. Dabei zeigte sich, dass der PSA-Test nicht dazu beitrug, die Mortalität zu senken.

Krankenkasse bezahlt nur Tastuntersuchung

Die Gesundheitsbehörden in den USA reagierten prompt und der Bluttest wurde aus dem flächendeckenden Krebsscreening entfernt. Auch in Deutschland entbrannte eine heftige Diskussion. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung wird hierzulande bei Männern ab 45 Jahren lediglich das rektale Abtasten der Prostata von der Krankenkasse bezahlt - dabei werden jedoch nur Tumoren ab einer bestimmten Größe entdeckt.

Doch die Vorbehalte gegen den PSA-Test sind unberechtigt. Das belegt eine aktuelle Untersuchung zweier Urologen am New York Presbyterian Hospital. Nachdem sie die Studie von 2009 noch einmal gründlich analysiert hatten, stellten sie fest: Ein Großteil der Personen in der Kontrollgruppe ließ einen PSA-Test dennoch durchführen, obwohl ihnen das der Arzt nicht riet. Bei neun von zehn Männern war dies der Fall, schreiben Jonathan E. Shoang und Jim C. Hu im New England Journal of Medicine".

 

Fataler Fehler kostete viele Männer das Leben

Dieser wichtige Faktor wurde in der Auswertung der Studie von 2009 übersehen. So entstand ein falsches Bild und die Bedeutung des PSA-Tests wurde unterbewertet. Besonders in den USA reagierten viele Mediziner zurückhaltend in Bezug auf die Empfehlung des PSA-Tests an ihre Patienten.

 Ein fataler Fehler, der verhindert, dass viele heilbare Prostatkrebserkrankungen frühzeitig erkannt werden", sagt Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU). "Die Auswirkungen der fehlerhaften Studie sind in jedem Fall negativ. Die unter Umständen tödlichen Folgen werden sich erst nach einigen Jahren in vollem Ausmaß zeigen."

 

 "Größter Wissenschaftsskandal der Urologie"

Prof. Michael Stöckle vom Universitätsklinikum des Saarlandes spricht in diesem Zusammenhang sogar vom "größten Wissenschaftsskandal der Urologie". Im Interview mit der "Welt" fordert er eine Neubewertung des PSA-Tests. Die Vorbehalte der USA gegenüber dem Bluttest hätten sich auch negativ auf den Umgang mit ihm in anderen Ländern ausgewirkt. Das sei auf Kosten der Krebsfrüherkennung gegangen.

Bühmann sieht das ähnlich. Er warnt nachdrücklich vor einer zu späten Diagnose des Krebses: Viele Tumore könnten über viele Jahre hinweg beobachtet werden, ohne dass ein operativer Eingriff wirklich notwendig sei. "Hat der Krebs erst einmal gestreut, ist er nicht mehr heilbar", so  der Arzt.

 

 "PSA-Test ist bester Tumormarker in der Medizin"

 "Jeder erfahrene Urologe weiß, wie wichtig der PSA-Test bei der Krebsfrüherkennung ist", sagt Bühmann. Auf den PSA-Test verzichten sollten Männer daher auf keinen Fall: "Der PSA-Test ist der beste Tumormarker in der Medizin", betont Bühmann. Dadurch können

Leben gerettet werden. Dass Krankenkassen die Kosten (ca. 20 Euro) nicht übernehmen, kann tödliche Auswirkungen haben." Im Grunde genommen müsse kein Mann an Prostatakrebs sterben. Allerdings gibt es zwei Voraussetzungen: "Er geht regelmäßig zur Krebsvorsorge und die Krankenkassen übernehmen die hierfür notwendigen Maßnahmen."

 

 So wird der Test durchgeführt

 Für den PSA-Test wird mittels einer Blutprobe der Wert des Prostataspezifischen Antigens gemessen. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der nur von der Prostata gebildet wird und der in verschiedenen Situationen vermehrt im Blut zu finden ist. Das ist zum Beispiel bei einer benignen (gutartigen) Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) oder einer harmlosen Entzündung der Prostata, auch Prostatitis genannt, der Fall.

 

Ein PSA-Wert allein hat keine Aussagekraft

 Auch wenn Männern im Alter von 40 Jahren in den meisten Fällen noch kein Prostatakarzinom droht, rät Bühmann seinen Patienten dennoch, ab diesem Alter mit dem PSA-Test zu beginnen. Aus einem einfachen Grund: "Ein Messwert allein sagt noch nichts über das Krebsrisiko des Patienten aus", weiß der Urologe. "Es ist daher sinnvoll, einen Basiswert zu ermitteln und diesen in den kommenden Jahren mit weiteren Ergebnissen zu ergänzen."

 Es seien der Verlauf und die Anstiegsgeschwindigkeit, die zählten, nicht der Wert an sich. "Es kann durchaus sein, dass ein Mann mit einem Wert von 15 keinen Prostatakrebs hat, ein Mann mit einem Wert von drei aber schon - das ist individuell verschieden." Wichtig sei die richtige Interpretation dieser Werte.

 

Ausblick: Neue Tests und Tumormarker für Prostatakrebs

Derzeit werden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um neue Tests zur PSA-Bestimmung zu entwickeln und bereits eingeführte zu verbessern. Daneben sucht man nach anderen Verbindungen und prüft sie auf ihre Eignung als Tumormarker und als Marker für den weiteren Verlauf eines Tumors. Beispiele sind (für Interessierte): PCA3 (mehr dazu s. PCA3 zur Diagnose des Prostatakarzinoms), hK2 (humanes Kallikrein 2), Pro-PSA (p2PSA), PSMA (Prostata-spezifisches Membranantigen), ANXA3 (Annexin A3), Sarkosin, Zitrat, AMACR (ein Enzym) und diverses verändertes Erbmaterial. Manche dieser Stoffe lassen sich im Urin nachweisen, und für manche sind bereits Tests in Entwicklung.

Quellen (u.a.)

  • Börgermann, C., et al.: Früherkennung von Prostatakarzinomen. Ist die Untersuchung des Serum-PSA alleine ausreichend? Urologe 2010; 49: 1351-1355
  • Börgermann, C., et al.: Probleme, Zielsetzung und Inhalt der Früherkennung beim Prostatakarzinom. Urologe 2010; 49: 181-189
  • Börgermann, C., et al.: PSA – Quo vadis? Urologe 2009; 48: 1008-1017
  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 1.00, September 2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
  • Heidenreich, A., et al.: Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU) 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007
  • Swoboda, A., et al.: Der Quotient f/t-PSA in klinischer und ambulanter Anwendung. Sind unterschiedliche Grenzwerte gerechtfertigt? Urologe 2009; 48: 1002-1007

Weitere Informationen

Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 07.11.2011

Letzte Änderung am 19.11.2015

Früherkennung kann Leben retten!

Prostatakrebs ist neben dem Brustkrebs bei Frauen die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Jährlich erkranken 70.000 Männer neu an Prostatakrebs, ca. 12.400 sterben, weil der Prostatakrebs zu spät erkannt wurde. Verursacht der Prostatakrebs Schmerzen ist es meistens zu spät. Die Diagnose Prostatakrebs ist kein Todesurteil. Statistiken belegen, dass der Prostatakrebs zu den Krebsarten mit den höchsten Überlebensraten zählt.

Frühzeitig erkannt sind die Chancen auf dauerhafte Heilung inzwischen sehr gut. Dank moderner Therapiemöglichkeiten kann man auch im fortgeschrittenen Stadium mit dem Krebs leben, ihn lange unter Kontrolle halten und mit ihm, nicht an ihm sterben. Nur 18% der Männer gehen zur Vorsorge, ist es aus Unwissenheit, Angst oder einfach fehlende Sorgfalt für die eigene Gesundheit. Fest steht: allein der Facharzt (Urologe) kann feststellen, ob eine bösartige Veränderung der Prostata vorliegt oder nicht. 


Vorsorgeuntersuchung ermöglicht Früherkennung – Früherkennung ermöglicht Heilung.

Vorsorgeuntersuchungen können Karzinome erfassen bevor sie schwer oder nicht mehr erfolgreich behandelbare Tumore werden. Prostatakrebs macht keine Beschwerden im Anfangsstadium. Auf eigene Beobachtungen können Männer sich nicht verlassen. Auch wenn Sie völlig beschwerdefrei sind, gehen Sie bitte ab dem 45. Lebensjahr zu einem Urologen. Haben Sie an Prostatakrebs oder an Brustkrebs erkrankte Blutsverwandte? Dann gehen Sie bitte ab dem 40. Lebensjahr oder noch früher zur Vorsorgeuntersuchung. Nur regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Facharzt bieten die Chance, organbegrenzte Karzinome rechtzeitig zu entdecken und Ihre Heilungschancen zu wahren. Fragen Sie unbedingt nach einem Test, mit dem die Menge des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut gemessen wird.

Der Test ist leider keine Kassenleistung. Er kostet zwischen 20 und 45 Euro.
Durch ihn verbessert sich die Chance einer frühen Erkennung eines Prostatakazinoms.
Ein früh erkannter Prostatakrebs ist zu 100% heilbar.

Die Prostata Selbsthilfegruppe Gelsenkirchen- Buer e. V. gibt Auskunft, informieren kann man sich in den Gruppenabenden jeden ersten Dienstag im Monat, um 18:00 Uhr in der REHA – Klinik im  „Seminarraum,“ Bergmannsheil Buer, Schernerweg 4 in 45894 Gelsenkirchen (nähe der A2, Ausfahrt Buer).


Wir halten kostenloses Info-Material für Sie bereit.
Alle Interessenten und auch Ehepartner sind gern gesehene Gäste bei unseren Versammlungen.
Telefonische Auskunft unter 0209 / 64696,  Karl Dahm 1.Vors. oder  www.prostata-gelsenkirchen.de

Erklärung zu den einzelnen Krebsstadien

 Krebsstadien

Für Früherkennung, gegen Prostatakrebs

Früherkennung von Prostatakrebs – Information für Männer - Zweite Auflage, Juli 2015

Behandlungsübersicht S3 Leitlinie

 

Früherkennung gegen Prostatakrebs